Der TalentKompass im SGB II: Instrument für die Potenzialanalyse vor dem Kooperationsplan im Zuge der Bürgergeld-Reform

Zum 01.07.2023 wird die Eingliederungsvereinbarung durch den Kooperationsplan ersetzt.

Darin werden gemeinsam von den Bürgergeldbeziehenden und den Arbeitsvermittler/innen, Integrationsfachkräften und Fallmanager/innen im Jobcenter die nächsten Schritte festgehalten, die auf dem Weg zur Arbeitsaufnahme sinnvoll und machbar erscheinen.

 

Dabei geht es nicht etwa grundsätzlich eine kurzfristige Vermittlung.

Unter Berücksichtigung der persönlichen Umstände steht häufig eine mittel- bis langfristige Strategie zur nachhaltigen Integration in den Arbeitsmarkt im Vordergrund.

 

Das kann dazu führen, dass erst einmal Aus- oder Weiterbildungen, Integrations- und Sprachkurse oder andere Maßnahmen vorrangige Zwischenziele sind, um die Beschäftigungsfähigkeit auf Dauer zu verbessern.

 

Grundlage für den Kooperationsplan ist die vorherige Potenzialanalyse.

Hier werden (gemeinsam) 

  • die individuellen Bedarfe sowie
  • die Kompetenzen und Möglichkeiten

für die Eingliederung erwerbsfähiger Leistungsberechtigter in Ausbildung oder Arbeit identifiziert.

 

Dabei sind neben den formal erworbenen Qualifikationen ausdrücklich auch die nonformal erworbenen Stärken und Soft Skills, wie methodische, kommunikative oder soziale Fähigkeiten zu erheben.

 

Bei der Auswahl der angestrebten Ausbildung, Tätigkeiten und Tätigkeitsbereiche sollen die Eignung, Neigungen und Interessen der Leistungsberechtigten berücksichtigt werden, um

  • ihre Motivation zu erhöhen und
  • die Nachhaltigkeit der Beschäftigung sowie
  • die Passgenauigkeit der Angebote sicherzustellen.

Was auf der Grundlage der Potenzialanalyse gemeinsam festgestellt wurde, führt also zu einer einstimmigen Integrationsstrategie, die im Kooperationsplan unverbindlich festgehalten wird.

Der Kooperationsplan soll transparent und verständlich darstellen, welche Leistungen das Jobcenter und welche die erwerbsfähigen Leistungsberechtigten erbringen, um das Integrationsziel zu erreichen.

 

So weit, so gut.

 

Wie genau sind die persönlichen Merkmale, beruflichen Fähigkeiten und die Eignung der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten in der Potenzialanalyse festzustellen?

Der TalentKompass ist hier geeignet.

Der TalentKompass bietet für ein Einzelgespräch zur Potenzialanalyse ein geeignetes Gerüst, um

  • die persönlichen Merkmale,
  • beruflichen Fähigkeiten und
  • die Eignung der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten festzustellen:

 

Im Feld Eigenschaften werden persönliche Merkmale erhoben.

Sie gemeinsam herauszuarbeiten, bringt verschiedene Vorteile mit sich:

  • Die Arbeitssuchenden fühlen sich wahrgenommen,
  • sie können sich einbringen und
  • die eigenen Eigenschaften zu benennen macht sie sprachfähig für die eigenen Qualitäten in Bewerbungsschreiben und Bewerbungsverfahren.

 

Im Feld Tätigkeiten werden die Aufgaben und Tätigkeiten erhoben, die die Leistungsberechtigten gerne ausüben.

Tätigkeiten, die im beruflichen Kontext – soweit vorhanden –, im ehrenamtlichen oder privaten Bereich gut und gerne verrichtet werden, können eventuell sofort arbeitsmarktlich verwertet werden.

Oder sie geben einen Hinweise darauf, in welchem Bereich eine Weiterbildung Aussicht auf Erfolg hat.

 

 

Eng verknüpft damit ist das Feld Interessen.

Hier werden die Neigungen der Bürgergeldempfangenden erfasst.

Die Berücksichtigung von Interessensgebieten bei der beruflichen Orientierung

  • erhöht die Passgenauigkeit der Angebote und
  • steigert die Motivation und die Verweildauer in der Maßnahme oder der Tätigkeit.

Dort, wo ein Interesse festgestellt wird, ist die Bereitschaft, sich weiteres Wissen im Rahmen einer Qualifikation, Aus- oder Weiterbildung anzueignen, selbstredend höher, als bei einem Angebot, dessen Inhalte als uninteressant bewertet werden.

 

 

Beim Feld Wissen geht der Blick über formelle Qualifikationen und Abschlüsse hinaus.

Im Sinne der Würdigung der Lebensleistung wird hier auf Wissensgebiete und Kompetenzen geschaut, die jenseits von Institutionen im Laufe des Lebens in allen Bereichen (z. B. Beruf, Familie, Ehrenamt, Hobby) erworben wurden.

Dieses Wissen ist oft eng verknüpft mit den Interessen.

Als interessant identifizierte Wissensgebiete sind im Sinne einer Strategieentwicklung deutlich dynamischer und richtungsweisender als sofort verwertbares Wissen, hinter dem die Arbeitssuchenden nicht (mehr) stehen.

 

 

Auch das berufliche Umfeld, das die Leistungsempfänger/innen sich vorstellen, ist wesentlich für die Entwicklung einer Integrationsstrategie.

Hier finden Rahmenbedingungen wie z. B.

  • Mobilität,
  • Kinderbetreuung,
  • Arbeitszeit,
  • Zumutbarkeit von Entfernungen,
  • eventuelle gesundheitliche Einschränkungen etc.

Berücksichtigung.

 

 

Bei den Werten geht es darum, zu erfassen, welche grundlegende Weltanschauung den Handlungen der Leistungsberechtigten zugrunde liegt.

Hier besteht die Chance,

  • die Sozialisation,
  • die Erfahrungen,
  • die Prägungen,
  • kurzum die Lebenswirklichkeit der Ratsuchenden

einzubeziehen.

 

Wenn ein zielführender Kooperationsplan wirklich gemeinsam und auf Augenhöhe zwischen Jobcenter und BürgergeldempfängerInnen formuliert wird, dann ist es essentiell, die Wertewelten beider KooperationspartnerInnen zu würdigen und darauf abzustimmen, was in der Welt der LeistungsbezieherInnen möglich erscheint.

 

Der TalentKompass ist seit Jahren praxiserprobt und wird erfolgreich in Jobcentern, Arbeitsagenturen, bei Bildungsträgern, in der Studien- und Berufsberatung und in anderen Feldern der Karriere- und Laufbahnberatung eingesetzt.

 

Aktuelle Seminar-Termine für Arbeitsvermittler/innen, Fallmanager/innen, persönliche Ansprechpartner/innen und Integrationsfachkräfte findest Du hier: